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Lessing, Gotthold Ephraim.


Philotas. Ein Trauerspiel. Berlin, bey Christian Friedrich Voss 1759. 8° 64. Lederband mit Vergoldung 0 €
Erste Ausgabe (Seifert 1148; Muncker S.382f.; Goedeke IV,1,378,84). - Vereinzelt leicht stockfleckig.
Sehr seltene erste Ausgabe der frĂŒhen Schrift, die in vielen großen Literatursammlungen fehlt; seit Jahrzehnten nicht auktioniert. Philotas wurde erst 1772 in Lessings Trauerspiele wieder gedruckt und erreichte so eine grĂ¶ĂŸere Verbreitung. „Das einaktige ProsastĂŒck entstand im Zusammenhang mit Lessings Sophoklesstudien. Es entspricht der Gattung des heroischen Trauerspiels, obwohl es – schon in der Sprache – sich in allem von einem solchen unterscheidet. Sicher hatte das Erlebnis des Krieges Lessing dazu gebracht, eine Fabel zu wĂ€hlen, die auf das entscheidende Dramenmotiv, die Liebe zwischen den Geschlechtern, verzichtet. In der Lamdakiden-Trilogie spielte zwar der Sexus eine ĂŒbermĂ€chtige Rolle, aber in einer elementarischen, von jeder Persönlichkeit abgehobenen rein theologischen ... Weise, ... Lessing muß das Steinerne im Oidipus gespĂŒrt haben; im KriegsstĂŒck Philotas treten durchaus unpersönliche Personen auf. Der SiebenjĂ€hrige Krieg, in dem sein Freund EWALD CHRISTIAN VON KLEIST im Jahr des Erscheinens des StĂŒckes fiel, hat Lessing Parallelen gezeigt. Der Prinz, der in die HĂ€nde des feindlichen Königs fĂ€llt, dessen Sohn zur gleichen Zeit Gefangener seines Vaters wird, dem Austausch aber, um dem Vater freie Hand zu lassen, widerspricht und sich das Leben nimmt, um seine durch die Gefangennahme versehrte Ehre wieder herzustellen, bietet in der Tat einen archaischen Stoff, dem Lessing – kein Sophokles – allerdings nicht gewachsen war. Die unjugendliche spekulative Dialektik, die ohne das hier verlangte ‚heilige Pathos‘ logisch nĂŒchtern deduziert, was zu geschehen habe, berĂŒhrt nicht tief, obschon die ‚Pranke des Löwen‘ zu spĂŒren ist. Lessings Freund GLEIM hatte sie offensichtlich nicht gespĂŒrt. Als der Autor ihm anonym das StĂŒck zu Begutachtung ĂŒbersandte (18.MĂ€rz 1759), erkannte Gleim den Verfasser nicht und wollte es, ‚von dem Verfasser der preußischen Kriegslieder versifiziert‘, kurz darauf erscheinen lassen, was Lessing begreiflicherweise sehr amĂŒsierte, wie sein Brief an Gleim vom 12.Mai 1759 beweist. Gleim, der sich noch am 15.April rĂŒhmte, daß er in acht Tagen mit seiner Arbeit fertig geworden sei, und um AufklĂ€rung ĂŒber den Verfasser gebeten hatte, antwortete, nunmehr aufgeklĂ€rt, genau so amĂŒsiert am 20.Juli und ĂŒbersandte ‚hiebey einen Anker des besten Rheinweins, gewachsen im Jahr 1748 und von Bachus bestimmt, nur allein Leßinge und RAMLER zu begeistern‘. So wurde das erste Beispiel des jugendlichen Helden der klassischen deutschen Tragödie zugleich Anlaß zu einer der reizendsten Theateranekdoten. Die Versform erschien 1760. Die UrauffĂŒhrung des Philotas fand am 24.Januar 1774 durch die Kochsche Truppe in Berlin statt.“ (Raabe/Piper. G.E.Lessing, Ausstellungskat. HAB 176).
 
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