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Brentano, Clemens.


Gockel, Hinkel, Gakeleja. Mährchen, wieder erzählt von Clemens Brentano. Mit einem lithogr. Titel und 14 lithogr. Tafeln auf gelbem Tongrund (nach Entwürfen von Clemens Brentano, Bildausführung von Ludwig Emil Grimm, lithographiert von Johann Nepomuk Strixner und Maximiliane Pernelle). Frankfurt, bei Schmerber 1838. Gr-8° Titel, XIV, 346 S.. Rotbrauner, feingerippter Halblederband d.Zt. mit Rückentitel und –vergoldung und Deckelfileten. Das marmorierte Bezugspapier der Deckel ist etwas berieben.
Erste Ausgabe der umgearbeiteten Fassung mit den Illustrationen im ersten Druck, kenntlich an der Verwendung der gelblich-bräunlichen Tonplatte und an dem weißen Dreieck (noch ohne Schrift) auf der Lithographie zu S.97 (Goedeke VI,62,43; Mallon 112; Rümann 130 & 2562; Brieger 242). - In der zweiten Hälfte mit eher schwachem Feuchtrand außerhalb des Textes, sonst nur gelegentlich leicht stockfleckig. Recht breitrandig und nur wenig beschnitten.
Die Urfassung des Märchens entstand um 1815/16, wurde aber in „Die Märchen des Clemens Brentano“, hrsg. von Guido Görres 1846/7 erstmals gedruckt. „An seinen Märchen für Kinder hat B. seit 1808 geschrieben ... Zu seinen Lebzeiten hat er nur die zu einem Arabeskenroman ausgestaltete Spätfassung des Märchens von Gockel, Hinkel, Gackeleia veröffentlicht, ... Die – von den Zeitgenossen gerügten – satir. Passagen dieser Märchen sind meist Sprachsatiren, und im Märchen von Gockel ... ist in der Bildlichkeit von Katze und Mäusen der Kampf zwischen guter und böser Poesie gestaltet, der Kampf um ein Paradies, in dem man Ruhe finden, aber auch sich verlieren kann. Damit sind die krisenhaften Bruchstellen in Leben und Werk Brentanos als Sprachkrisen kenntlich, die seither unverrückbar zu einer Symptomatologie des Poetischen gehören und in der Erfahrung der Wort-Ding-Spaltung auf die Chandos-Krise Hugo von Hofmannsthals und die Spracherfahrung der expressionistischen Generation vorausweisen.“ (Killy). „Brentano überarbeitete den Text ab 1835 und erweiterte ihn durch die einleitende 'Herzliche Zueignung' sowie durch das abschließende 'Tagebuch der Ahnfrau'. Das Hauptmotiv des Gockel entnahm Brentano der neapolitanischen Märchensammlung Pentamerone (1634-1636) von GIAMBATTISTA BASILE, daneben finden sich Bezüge zu SCHILLER, HÖLDERLIN, zur Alektryomantia (1680) von JOHANN PRAETORIUS sowie zu eigenen Werken ... Dem Märchen vorangestellt ist eine Herzliche Zueignung an MARIANNE VON WILLEMER, eine Jugendliebe Brentanos (und GOETHES Suleika), in der er den Motiven und Personen des Märchens autobiographischen Gehalt gibt, ....“ (KNLL 3,136/7). Die Illustrationen entwarf er selber, LUDWIG EMIL GRIMM führte die Entwürfe aus, MAXIMILIANE PERNELLE und KASPAR BRAUN übertrugen sie auf den Lithostein. Sie sind in ihrer „surrealistischen“ Gestaltung von einer Modernität wie wohl keine andere Illustrationsfolge der Romantik. Der vordere Vorsatz trägt eine handschriftl. Widmung von MARIANNE VON WILLEMER, in der für sie typischen Schreibweise mit nur einem „n“. Autographen der Marianne von Willemer (1784-1860) sind selten. Um so schöner ist ihr Eintrag in diesem Buch, das Brentano ihr zugeeignet hat. Als frühe Erinnerung Brentanos an Marianne erscheint der Pierrot unter den Pfauenfedern auf dem Titelblatt. So hatte Brentano Marianne zuerst 1799 auf dem Frankfurter Theater gesehen. Eines der schönsten Bücher der Romantik in einem bemerkenswerten Exemplar.
 
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